Biographie - Bildgiesserei Kraas  
     
 

Nach seinen Lehr- und Gesellenjahren wurde der Gründer, Ernst Kraas, im Jahre 1880 nach St. Petersburg berufen, um dort die Gelbgießerei einzuführen. Er kehrte 1882 nach Berlin zurück und eröffnete am 1. Januar 1883 eine Gießerei für Bronzekunstwerke, die Bildgießerei Kraas. Er hätte wohl nicht gedacht, dass dieser Handwerksbetrieb eines Tages „Berlins“ älteste Kunstgießerei sein würde.

Viele berühmte Namen von Kunstgießereien, wie Gladenbeck AG in Berlin, Martin & Piltzing in Berlin und von Miller in München, bestehen nicht mehr. Neugründungen sind in den letzten Jahrzehnten hinzugekommen, doch die Bildgiesserei Kraas ist unter den „reinen Kunstgießereien“ nun die Älteste.

Dank seines ausgezeichneten Rufes fand Ernst Kraas bald ein breites Betätigungsfeld. In seinem Betrieb wurden Werke führender Meister der Akademien der Bildenden Künste vom Gipsmodell in Bronze umgesetzt.

Damals zeigte sich schon, welch schwieriges Handwerk sich der Bildgießer ausgesucht hatte. Nicht jeder Guss gelang, nicht jeder Auftraggeber war zahlungsfähig und Konkurrenz gab es auch damals schon genug. Mehrmals wurde die Werkstatt gewechselt, bis dann im Jahre 1911 der Umzug in die Fürstenstraße in Berlin 36, heute Bergfriedstraße, erfolgte. Hier war nun Platz in mehreren Etagen, um der immer besseren Auftragslage nachzukommen. Nach einem Hoch kommt bekanntlich aber immer ein Tief und so brachten die Jahre der Inflation der Firma Kraas fast den Ruin. Auch in dieser Zeit verlor Ernst Kraas nicht sein Ziel aus den Augen, gute Arbeit zu leisten und dem Handwerk treu zu bleiben.

Nachdem der älteste Sohn, Bernhard, vorübergehend in die Geschäftsführung aufgenommen wurde, trat der 2. Sohn des Gründers, Paul Kraas, in die Leitung der Firma ein und legte 1923 seine Meisterprüfung als Kunstformer ab. Ihm zur Seite stand ein Freund des Hauses, Rolf Sturm, der 34 Jahre, bis zu seinem Tode, auf das Engste mit den Geschicken der Firma verbunden war.

1920 trat der 3. Sohn des Gründers, Walter Kraas, der ebenfalls 1923 seine Meisterprüfung als Gürtler und Ziseleur ablegte, in die Geschäftsleitung ein. Mit ihm übernahm die kaufmännische Leitung sein Vetter Dietrich Hampel, der 47 Jahre lang den Brüdern Kraas ein vertrauter Mitarbeiter und später auch Mitinhaber der Firma Kraas war.

Am 9. Januar 1928 wurde Ernst-Detlef Kraas geboren, der am 1. Mai 1948 seine Lehre als Former begann. Somit war die 3. Generation des Gründers im Betrieb. Ernst-Detlef legte im Oktober 1953 seine Meisterprüfung vor der Handwerkskammer Berlin als Formermeister ab und trat der Geschäftsführung bei.

Im Jahre 1972 stand abermals ein Umzug ins Haus. Dank der seit der Gründung stetig wachsenden Kollektion an figürlichen Bronzen, kunstgewerblichen Gegenständen und des expandierenden Lampensektors, wurden die Räume in der Bergfriedstraße zu klein.

In Berlin/Neukölln entstand in einem Gewerbegebiet eine Gießerei mit Fertigungsräumen und einem Bürogebäude auf eigenem Grund und Boden. Ernst-Detlef Kraas konnte nun steigenden Anfragen der Öffentlichen Hand auf dem Restaurierungssektor nachkommen. Da die Bildhauer treue Begleiter der Bildgießerei Kraas waren und Anfragen nach Großplastiken zur Gestaltung des Freiraumes in Berlin und der Bundesrepublik sich häuften, entstand auf dem Gelände in Neukölln auch eine Montagehalle für Großplastiken. Inzwischen wuchs die 4. Generation Kraas heran. Christian ( geb. 1968 ) und Sebastian Kraas (geb. 1969 ) wurde nun der Weg zur Übernahme geebnet.

1988 trat Sebastian Kraas als Lehrling dem Unternehmen bei, und die Weiterführung der Firma Kraas schien gesichert. Abermals gab es schwierige Zeiten, in den die Firma Kraas abspecken musste, und so entschieden sich die Söhne eben nicht, wie erwartet, zur Weiterführung eines Familienunternehmens.

Aus gesundheitlichen Gründen war es Ernst-Detlef Kraas nicht mehr gestattet, die Bildgießerei Kraas durch die nicht mehr rosig zu nennende Wirtschaftslage zu führen. Es sah ganz so aus, als müsste das Familienunternehmen „ Kraas „ seine Tore schließen. Aber wo ein Wille ist, da ist auch meistens ein Weg. So wandte sich Ernst-Detlef Kraas zwecks Übernahme an seinen Mitarbeiter, Klaus-Dieter Schaar, der am 1. April 1970 als Ziseleurlehrling in die Bildgießerei Kraas eingetreten war, ab 1983 die Leitung der Ziseleurwerkstatt übernommen hatte und 1986 zum Betriebsleiter ernannt worden war. Herr Schaar überlegte nicht lange und übernahm die Geschäftsanteile der Bildgießerei Kraas am 1. Januar 1990, um im Sinne der Familie Kraas das Unternehmen weiterzuführen. Wie so oft, war auch dieser Wechsel mit einem Umzug verbunden. Nur einen Steinwurf vom alten Stammsitz der Firma Kraas entfernt, ging es nun wieder nach Kreuzberg, in die Schlesische Straße 28, auf einen gepflegten Gewerbehof. Obwohl nun nicht mehr im Familienbesitz, blieben der Bildgießerei Kraas ihre Kunden treu und wenden sich nach wie vor vertrauensvoll an ein Unternehmen mit Tradition.